Neues SVR-Jahresgutachten zu Integration und Migration erschienen

Der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) stellt heute in Berlin sein neuntes Jahresgutachten „Steuern, was zu steuern ist: Was können Einwanderungs- und Integrationsgesetze leisten?“ vor. Ich freue mich sehr, es Ihnen zu übermitteln.

Das Gutachten lotet aus, welche gesetzgeberischen Möglichkeiten bestehen, um Migration zu steuern und die gesellschaftliche Teilhabe aller zu fördern. Es fasst die bestehende Gesetzeslage auf nationaler und EU-Ebene zusammen und weist auf politische Handlungsfelder sowie die Grenzen der Gestaltung hin.

Zentrale Ergebnisse

  • Einwanderungs- und Integrationsgesetze haben – auch jenseits ihrer konkreten Steuerungswirkung – Signalfunktion nach innen wie nach außen. So können Integrationsgesetze (auf Bundes- oder Länderebene) helfen, sich darüber zu verständigen, wie das Zusammenleben in einer Einwanderungsgesellschaft wie der deutschen aussehen soll. Ein Einwanderungsgesetzbuch könnte die bestehenden Regelungen zur Zuwanderung zusammenfassen, vereinfachen und systematisieren und es dadurch der Bevölkerung hierzulande ebenso wie Interessierten im Ausland erleichtern, die Zuwanderungsmöglichkeiten, die das deutsche Recht bietet, zu verstehen.
  • Der SVR empfiehlt, beruflich qualifizierten Fachkräften die Zuwanderung zu erleichtern. Bevor jemand aus einem Land außerhalb der EU einen Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit erhält, müssen bislang die im Ausland erworbenen Qualifikationen als gleichwertig zu deutschen Standards anerkannt werden. Dies stellt eine Hürde dar. Der SVR schlägt ein Pilotprojekt mit dem Namen ‚Nimm2+‘ vor: Fachkräfte, die im Ausland eine Ausbildung abgeschlossen haben und einen Arbeitsvertrag vorlegen können, sollen auch ohne Gleichwertigkeitsnachweis nach Deutschland kommen und hier arbeiten können, wenn sie stattdessen mindestens eine andere Voraussetzung erfüllen – beispielsweise über fortgeschrittene Deutschkenntnisse verfügen oder einen Mangelberuf ausüben.
  • Für Flüchtlinge, sonstige Neuzuwandernde wie für Alteingesessene gilt im Hinblick auf Integration: Die gesellschaftliche Teilhabe jedes einzelnen Menschen ist individuell verschieden und in verschiedenen Teilbereichen des gesellschaftlichen Lebens unterschiedlich stark ausgeprägt. Eine adäquate Ausgestaltung der allgemeinen Regelsysteme im Sinne eines sog. Mainstreamings in den entsprechenden Fachpolitiken (also der Bildungs-, der Familien- oder der Arbeitsmarktpolitik) ist wirkungsvoller und auch systematisch überzeugender als Spezialgesetze, die sich nur auf Personen mit Migrationshintergrund beziehen. Bund, Länder und Kommunen sollten ihre Politik besser aufeinander abstimmen, dasselbe gilt für die Ressorts.
  • Um zu erfassen, wie sich Integrationsprozesse entwickeln, sollte der Bund ein Integrationsmonitoring gesetzlich verankern. Die entsprechende Absicht der Bundesregierung ist daher zu begrüßen. Dieses sollte sich nicht auf den strukturellen Bereich von Integration – Arbeitsmarkt, Bildung – beschränken, sondern darüber hinaus soziale und kulturelle Integration erfassen. Das Beobachtungssystem in Deutschland muss insgesamt verbessert werden: Es sollte einheitliche Indikatoren verwenden und dieselben Zielgruppen betrachten. Auch sollte die Fluchtzuwanderung der letzten Jahre gesondert erfasst werden.
  • Integrationsgesetze können Ziele und Richtung vorgeben, die Strukturen auf Landes- und kommunaler Ebene für eine erfolgreiche Integrationspolitik schaffen, und deutlich machen, dass Integration als Querschnittsaufgabe von der Politik erkannt und angegangen wird. Dasselbe gilt für Integrationskonzepte, die vor allem auf Länder- und kommunaler Ebene genutzt werden. Ausschlaggebend für den Erfolg sind eine konsequente Umsetzung und ein gutes Integrationsmonitoring.

Das SVR Jahresgutachten 2018 finden Sie hier.

Die Pressemitteilung finden Sie hier.

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Benutzungsordnung in 20 Sprachen

Der Büchereiverband Österreich  bvoe eine möglichst allgemein gehaltene  Benutzungsordnung in insgesamt 20 Sprachen übersetzen lassen  – und eine Version in Leichter Sprache!
Infos und Download unter:
https://www.bvoe.at/themen/grenzenlos_lesen/benutzungsordnung

 

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Ratgeber für Zuwanderer nun in 13 Sprachen

Die aktualisierte Broschüre „Willkommen in Deutschland“ bietet nun in 13 verschiedenen Sprachen viele praktische Hinweise für das Leben und Arbeiten in Deutschland.

Was brauche ich für die Einreise nach Deutschland? Wo kann ich Deutsch lernen? Wie finde ich eine Wohnung und Arbeit? Gibt es Betreuungsangebote für meine Kinder? Wird mein Schulabschluss oder meine Ausbildung anerkannt? Welche Versicherungen sind ratsam oder gar Pflicht? Zu diesen und weiteren Fragen gibt diese Broschüre Auskunft.

Die Broschüre, die im Auftrag des Bundesinnenministeriums vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestaltet wurde, gibt auf rund 130 Seiten zahlreiche Tipps, die den Alltag erleichtern. Sie beinhaltet zudem eine Vielzahl von (Internet-)Adressen zu Beratungsangeboten und weiterführenden Stellen.

„Willkommen in Deutschland“ ist kostenlos und kann in Deutsch, Arabisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch und Türkisch über den jeweiligen Warenkorb unten bestellt werden. Die Versionen in Bulgarisch, Griechisch, Italienisch, Portugiesisch, Rumänisch und Spanisch werden zunächst ausschließlich zum Download angeboten, sind aber voraussichtlich im Februar ebenfalls als Druckversion bestellbar.

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Broschueren/willkommen-in-deutschland.html?nn=1362950

 

 

Ziemlich deutsch – Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland

Worauf beruht unsere kulturelle Identität? Was bedeuten Religions- und Meinungsfreiheit? Tragen gewohnte Ordnungsmuster noch in einer Gesellschaft, die sich durch die Begegnung mit anderen Kulturen, durch Migration, gewandelt hat? Das kürzlich bei der bpb erschienene Buch spiegelt Erfahrungen, Meinungen und Richtungen.

Ziemlich deutsch – Betrachtungen aus dem Einwanderungsland Deutschland Herausgeberin: Dorte Huneke, Erscheinungsdatum: 09.01.2014,

Die deutsche Gesellschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt: nicht nur, aber auch durch die Begegnung mit anderen Kulturen, durch Einwanderung. Wenn Deutschland kein Einwanderungsland wäre, würden wir nicht über das Tragen von Kopftüchern, Beschneidungsrituale oder Kruzifixe in deutschen Klassenzimmern streiten. Aber hätten wir uns jemals so intensiv mit den Richtlinien und Ritualen unserer Gesellschaft auseinandergesetzt? Hätten wir darüber diskutiert, was unsere kulturelle Identität ausmacht und worin sie wurzelt, über unsere so genannten deutschen Wertvorstellungen, die Bedeutung von Religions- und Meinungsfreiheit und wo diese enden? Das Zusammenleben mit anderen Kulturen birgt die Herausforderung, gewohnte Ordnungsmuster zu überdenken. Darin liegt zugleich die Chance für eine plurale, demokratische Gesellschaft. Die Autorinnen und Autoren, Interviewpartnerinnen und -partner in diesem Band erzählen von persönlichen Erfahrungen, beschreiben politische und gesellschaftliche Entwicklungen und geben Impulse für das Zusammenleben im Einwanderungsland Deutschland.
Bezug und Download unter: <http://www.bpb.de/shop/buecher/schriftenreihe/176071/ziemlich-deutsch>